Die Top-5 Startup-Learnings von meinem Marathon

Vor ziemlich genau zwei Jahren bin ich alleine einen Marathon gelaufen. Die Spätfolgen dieses Marathons beschäftigen mich bis heute, und ich habe dabei viel über mich und meinen Körper gelernt. Weil ein Startup kein Sprint ist, sondern mindestens soviel Ausdauer benötigt wie ein Marathon, lassen sich einige der Learings darauf übertragen. Hier sind meine Top 5 Startup-Learnings:

1. Ohne die richtige Vorbereitung geht es nicht

Sofern ich nicht verletzt bin, gehe ich viel laufen - wenn möglich, renne ich dreimal pro Woche zwölf bis 15 Kilometer und überwinde dabei ca. 400 Höhenmeter. Irgendwann habe ich unterwegs beschlossen, dass ich gerne einen Marathon laufen würde - vermutlich, um mir zu beweisen, dass ich die 42.195 km problemlos durchhalte.

Ich habe also begonnen mein Training zu intensivieren und habe auf die richtige Ernährung geachtet: Am Abend vor dem Marathon eine grosse Portion Volkornpasta, für unterwegs Bananen, Getreideriegel, Wasser und ein isotonisches Getränk. Ohne diese Zwischenverpflegung hätte ich wohl unterwegs unterzuckert aufgeben müssen.

Aufs Startup umgemünzt heisst das: Man muss sich bewusst sein, dass der Weg zum Erfolg sehr lange und steinig ist. Im Vorfeld sollte man gewisse finanzielle Polster anlegen, um auch Durststrecken zu überstehen. Es gilt, den Rucksack mit dem richtigen Equipment zu packen, unter anderem einem durchdachten Businessplan, Wissen über die Branche und Startup-Strategien, Kapital, Energie und Motivation.

2. Es geht alleine - aber mit Unterstützung unterwegs geht es besser

Ich habe beschlossen, dass ich meinen Marathon alleine renne. Ich habe mir eine Strecke gesucht, die ich schon etwas kannte und etwa 45km lang ist, und bin eines morgens im Juni 2013 mit gepacktem Rucksack losgerannt.

Ohne das Gewicht des Rucksacks, mit anderen Läufern auf der gleichen Strecke und mit Helfern, die einem Wasserflaschen in die Hand drücken, hätte ich die Strecke bestimmt 10-15 Minuten schneller zurückgelegt.

Bei einem Startup ist es ähnlich: Es geht bestimmt alleine, im (richtigen) Team ergänzt und unterstützt man sich aber ideal und kommt gemeinsam schneller voran. Die passende Strecke findet man in der richtigen Startup-Metropole mit einer lebhaften Szene und einem guten Ökosystem. Von Konkurrenz lässt man sich nicht einschüchtern, sondern wie bei Mitläufern auf der Strecke pushen. Mit den richtigen Helfern in Form von Investoren und Coaches können viele Fehler vermieden werden. Diese Angebote gilt es zu nutzen!

3. Ab Kilometer 30 wirds so richtig hart - oder wann man nicht aufgeben darf

Die ersten dreissig Kilometer auf meinem Marathonlauf waren ziemich locker. Ich konnte meine Durchschnittsgeschwindigkeit gut halten, habe hin und wieder bei einem Brunnen meine Wasserflasche aufgetankt und mich amüsiert, als eine ältere Dame einige Zeit neben mir hergejoggt ist und aus meinem Handy plötzlich die Ansage "30km in 2:49h" erklang. Danach wurde es allerdings immer wie härter: Langsam aber sicher habe ich meine Beine nicht mehr gespürt, es begann leicht zu nieseln, die Rücksackträger haben an meinen Schultern gerieben.

Nach der ersten Euphorie bei der Gründung kommen auch bei einem Startup sehr harte Zeiten. Vielleicht geht das Geld aus, die KPI verbessern sich einfach nicht oder man muss die Strategie komplett ändern. Dennoch lohnt es sich durchzubeissen und bis zur nächsten Finanzierungsrunde oder dem Pivot durchzuhalten. Meistens kommen nach dem "Valley of Death" wieder rosigere Zeiten!

4. Zwischenerfolge feiern!

Anfeuerndes Publikum am Strassenrand hätte mich vielleicht angespornt, das Lauftempo noch etwas zu erhöhen. Positives Feedback - sofern es denn ehrlich ist - und öffentliche Unterstützung hilft vermutlich immer. Bei Rayneer waren wir mehrmals bei Businessplan-Wettbewerben unter den Gewinnern oder zumindest nominiert, und hatten öfters positive Resonanz in den Medien. Das hat uns jeweils motiviert, weiter auf Hochtouren zu arbeiten und hat uns auch gezeigt, dass unser Produkt Aufmerksamkeit erzielt. Diese kleinen Zwischenerfolge sollte man im Team feiern, der Sirit wird sich nachhaltig verbessern. Es gibt genügend Tage, an denen es nicht besonders gut läuft.

Nach dem Marathon hatte ich übrigens - trotz ausgiebigem Dehnen - zwei Tage starken Muskelkater ;-). Ich habe diese kleine Zwangspause genutzt, um mich an der Sonne zu entspannen und mit einem kühlen Bier zu belohnen; und, natürlich: Die nächsten Strapazen zu planen.

5. Auch ein wenig an die Spätfolgen denken

MRI von meinem Knie - Startup-Learnings von meinem Marathon

MRI von meinem Knie - Startup-Learnings vom Marathon

Ende August 2013 machte sich zum ersten Mal mein rechtes Knie bemerkbar. Während einer Joggingtour bekam ich Schmerzen, die bei den nächsten Läufen immer stärker wurden. Es folgten unzählige Arztbesuche, insgesamt 1.5 Jahre Physiotherapie und gipfelte im November 2014 in einer Operation, bei der die Plica entfernt wurde. Dennoch spüre ich nach wie vor Schmerzen; auf dem aktuellsten MRI-Bild erkennt der Fachmann eine Überbelastung der Kniescheibe. Meinen letzten Joggingversuch musste ich nach 100 Metern abbrechen.

Ich glaube, dass niemand das Risiko eingeht, ein Startup zu gründen, wenn er vorher alle potentiellen Schäden durchdenkt. Das wäre auch der falsche Ansatz. Dennoch sollte jeder Gründer einige Vorsichtsmassnahmen ergreifen, falls das Startup nicht so gedeiht wie erwartet. Es lohnt sich sicher, darauf zu achten, dass man danach nicht hochverschuldet Privatinsolvenz anmelden muss, oder durch die Fokussierung aufs Startup das Sozialleben komplett vernachlässigt hat.

Was sind eure Startup-Learnings aus dem Sport? Sind wir Startupper alle etwas verrückt oder wollen wir uns selbst ständig beweisen, was wir können? Ich freue mich auf eine spannende Diskussion hier in den Kommentaren, auf Facebook, Twitter oder im persönlichen Gespräch. Ich freue mich, wenn Ihr den Beitrag teilt!