Digital Festival 2016: Zürich wird im Herbst Digitalhauptstadt

In der Schweiz war jahrelang tote Hose, was bedeutendere Events in der Startup- und Techszene betrifft. Vereinzelt gab es zwar Anlässe für Gründer und Techies, die wenigsten wurden aber aus der Szene heraus organisiert (der Webmonday und das Startup Camp in Basel waren löbliche Ausnahmen). Für die richtig guten Konferenzen musste man ins Ausland reisen; nach Berlin beispielsweise, wo unzählige Konferenzen und Events locken, aber auch nach Köln (das Pirate Summit ist eine der besten Konferenzen, die ich besucht habe) oder ans Bits & Pretzels in München. Weder die Münchner noch die Kölner Startup-Szene haben eine ähnliche Strahlkraft wie die Berliner, dennoch ist es gelungen, in diesen Städten hervorragende Events mit internationalem Publikum und namhaften Rednern zu organisieren.

HackZurich: Der grösste Hackathon Europas...

Hochbetrieb am HackZurich 2015

Hochbetrieb am HackZurich 2015

Vor zwei Jahren dann wurde die Premiere des HackZurich durchgeführt und mauserte sich auf Anhieb zum grössten Hackathon Europas. Zum ersten Mal gab es in Zürich einen Anlass, bei dem nicht nur passiv zugehört wurde, sondern die Teilnehmer tatsächlich gefordert waren. Ich bin fest davon überzeugt, dass Gründern in der allerersten Phase nicht alles auf dem Silbertablett serviert werden darf (Stichwort Accelerator), sondern dass sich das Team zuerst einmal beweisen sollte, indem es beispielsweise in kurzer Zeit mit wenig Ressourcen einen Protoypen oder MVP baut. Genau das hat mich am letzten HackZurich so beeindruckt: An einem Wochenende haben Programmierer aus aller Welt etwas geschaffen, und eben nicht nur darüber geredet, die Atmosphäre war extrem kreativ.

...wird zum Digital Festival 2016

Nun gehen die beiden HackZurich-Gründer Jonathan Isenring und Rasmus Rothe, der mit seiner Dissertation gerade weltweit ordentlich für Furore gesorgt hat, einen Schritt weiter und veranstalten zusammen mit Event-Profi Schoscho Rufener und Manuel Nappo von der HWZ im Herbst zum ersten Mal das Digital Festival. Damit wollen sie ihre Vision eines grossen Zürcher Tech-Festivals umsetzen, die sie bis jetzt aus Kapazitätsgründen nur teilweise realisiert haben. Vom 15. bis 18. September 2016 soll inspiriert, geschaffen, gelernt und genetzwerkt werden. An den ersten beiden Tagen (dem WOW Day bzw. dem Transformers Day) werden Key Notes gehalten, sowie Idea Battles und Workshops durchgeführt. Zielpublikum ist die ganze Bandbreite der digitalen Welt: Entscheider, digital Natives, Social Media Users, Entrepreneurs und Entwickler. In Labs werden spannende Themen wie VR, AI, Robotics behandelt. Wichtiger Stützpfeiler des Digital Festivals ist der Hackathon, der wie bisher im Technopark durchgeführt wird.

Digital Festival vom 15.-18. September 2016

Provisorisches Programm Digital Festival 2016

Erfoglsversprechendes Programm am Digital Festival 2016

Das Programm sieht sehr vielversprechend aus und gerade mit Yoga-Sessions am frühen Morgen oder einer Grillparty beweisen die Macher, dass sie nicht eine trockene Konferenz durchführen, sondern die kreativsten und engagiertesten Leute ganz Europas nach Zürich holen möchten, um gemeinsam zu kreieren, connecten und feiern. Das Digital Festival könnte für alle Technologieinteressierten das werden, was das Zurich Film Festival im Entertainment-Bereich geschafft hat: Ein Melting Pot für Hacker, Entrepreneure, Marketingleute und - last but not least - die interessierte Öffentlichkeit. Besonders wichtig scheint mir, dass sich das Digital Festival nicht als geschlossene Veranstaltung versteht, sondern eine Art Plattform für unterschiedliche Veranstaltungen im Digitalbereich ist. Derzeit laufen Kooperationsgespräche mit namhaften Veranstaltungen aus dem In- und Ausland, die das Festival noch attraktiver machen werden.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir im Herbst überall in Zürich wehende Digital Festival-Fahnen sehen werden. Die Organisatoren haben bereits bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, dass ihnen einiges zuzutrauen ist - zum Beispiel Zürich in möglichst allen Köpfen als Digitalhauptstadt zu positionieren. Und zwar jetzt, nicht erst 2025.