Hocheffiziente Logistik: Hinter den Kulissen bei Temu
04.02.2025
Die chinesische E-Commerce-Plattform Temu liefert in Rekordgeschwindigkeit zu unschlagbar günstigen Preisen. Häufig wird behauptet, dass Temu von günstigen Versandkonditionen profitiere, weil China vom Weltpostverein als Entwicklungsland eingestuft werde. Seit 2019 ist das aber nicht mehr der Fall. Wie schafft es Temu dennoch, die kurze Lieferzeit so kostengünstig umzusetzen?
Wer schon einmal bei Temu bestellt hat, weiss, dass der chinesische Online-Marktplatz nicht nur mit unschlagbar tiefen Preisen, sondern auch mit extrem schnellen Lieferzeiten punktet. Meine Testbestellung an einem Sonntagabend wurde bereits am Donnerstagmorgen ausgeliefert – und das bei kostenlosem Versand. Selbst Schweizer Online-Shops mit lokaler Lagerhaltung können oft nicht mit dieser Geschwindigkeit mithalten. Doch wie schafft es Temu, die Ware so schnell in die Schweiz zu bringen? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt ein hochoptimiertes Logistiknetzwerk.
Temus optimierte Versandstrategie
Temu verfolgt eine Versandstrategie, die auf effizientem Bündeln von Sendungen und einer optimierten Verzollung basiert. Die bestellten Produkte werden noch in China in einem der zahlreichen Warenhäuser von Temu kommissioniert, verpackt und mit Versandlabels der Labeling-Plattform von Asendia (einem Joint-Venture der Schweizerischen und der französischen Post) frankiert. Um Kosten zu minimieren und die Effizienz zu steigern, bündelt Temu zwischen 25 und 50 Einzelbestellungen in Kartonkisten. Diese wiederum werden auf speziellen Paletten für den Lufttransport gestapelt.

Eine Luftfracht-Palette wird am Flughafen Zürich vollautomatisch für den Weitertransport mit dem Gabelstapler angeliefert
Luftfracht: Schnell und kosteneffizient
Die Paletten werden per Luftfracht nach Europa transportiert – entweder auf reinen Frachtflügen oder als Beiladung auf Passagierflügen. Der bevorzugte Zielflughafen ist Liège in Belgien, da dort die Landerechte günstiger sind als in Zürich. Über Nacht werden die Paletten per LKW von Belgien an den Flughafen Zürich und nicht direkt an die Post geliefert. Die meisten Temu-Pakete treffen übrigens zwischen Donnerstag und Samstag am Flughafen Zürich ein. Im Frachtbereich des Flughafens ist Infrastruktur vorhanden, um hochautomatisiert, aber auch mit zahlreichen Gabelstaplerfahrern, die zügige Weiterverarbeitung zu ermöglichen..
Verzollung in der Schweiz
Der Schweizer Zoll wird vorab über die eintreffenden Sendungen avisiert und überprüft in der Regel nur Stichproben. Temu hat den Schweizer Markt genau analysiert und optimiert seine Versandmethode entsprechend: Grössere Bestellungen werden in mehrere Pakete aufgeteilt, wenn die Bestellsumme über CHF 63 liegt. Dadurch fallen für den Endkunden keine Zollgebühren an, was Temus Preisvorteil weiter verstärkt.
Nach der Verzollung werden die Grosspakete von den Paletten entladen und an die Schweizer Post übergeben. Dort werden die Kartonkisten geöffnet und die einzelnen Bestellungen in den Paket- oder Briefverarbeitungszentren weiterverteilt.
Fazit: Logistik als Wettbewerbsvorteil
Die Geschwindigkeit, mit der Temu Pakete in die Schweiz liefert, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer minutiös durchdachten Logistikstrategie. Vom Warehouse in China über den Luftfracht-Hub in Belgien bis hin zur schnellen Verzollung und der Verteilung durch die Schweizer Post – jeder Schritt ist darauf ausgerichtet, die Lieferzeit zu minimieren und die Kosten niedrig zu halten. Kein Wunder, dass das Unternehmen rasant wächst: Laut Schätzungen des Beratungsunternehmens Carpathia wird Temu 2024 in der Schweiz rund 700 Millionen Franken Umsatz erzielen. Für den Moment setzt der chinesische Online-Gigant neue Massstäbe im E-Commerce.