Warum Watson das spannendste Schweizer Medienstartup ist
15.07.2015
Kürzlich ist mir ein Artikel der SonntagsZeitung in die Hände gefallen, in dem ich über mein Mediennutzungsverhalten befragt wurde. Damals habe ich erwähnt, dass ich mich - neben vielen Blogs - am häufigsten bei Tages-Anzeiger.ch/Newsnetz und Spiegel Online informiere. Klassische Medien wie Zeitungen, Radio und TV nutze ich sowieso nicht - ich konsumiere News ausschliesslich online.
Seit diesem kleinen Artikel im Oktober 2013 hat sich etwas entscheidend geändert: Watson ging online. Auf dem Homescreen von meinem Handy ist Watson mittlerweile die einzige News-App, nur Watson darf mir Push-Nachrichten schicken und den ersten Nachrichtenüberblick am Morgen verschaffe ich mir auch bei Watson.
Warum nutze ich ausgerechnet Watson derart intensiv? Ich glaube, dass es die Mischung ausmacht: Mit den verschiedenen Newstickern wird mein Bedürfnis nach aktuellsten Informationen befriedigt. Maurice Thiriet und Philipp Löpfe schreiben Hintergrundberichte und Analysen in einer Qualität, die ich bei vielen anderen Medien vermisse. Dank der Kooperation mit Spiegel Online lese ich deren besten Artikel bereits auf Watson. Auf andere Infos wie die Wetterprognose wird verzichtet, da sowieso auf jedem Handy eine Meteo-App installiert ist.
Ich glaube, dass Watson vieles richtig macht: Bereits im Februar 2014 habe ich im KleinReport gesagt, dass mir die klassische Navigation, die bei Watson nicht vorhanden ist, überhaupt nicht fehlt. Die konsequente Optimierung auf Mobile Devices ist heute natürlich richtiger denn je, und an der Desktop-Anzeige wurde in der Zwischenzeit gearbeitet.
Auch die Webeformen sind sehr interessant: Anstatt die Leser mit blinkenden Bannern zu belästigen, setzen die Macher auf Native Advertising. Ein gutes Beispiel ist die derzeitige Themenwoche Food, die überhaupt nicht stört, sondern zumindest teilweise durchaus informativ ist.
Klassische Medienhäuser mögen die Werbeformen und die im Vergleich zu den anderen Schweizer Newsportalen noch geringen Nutzerzahlen belächeln, wie mir in Gesprächen mit Verlagsleuten immer wieder auffällt. Ich halte das für einen Fehler: Keine andere Schweizer Nachrichtenseite hat die Kommunikation über soziale Netzwerke derart im Griff wie Watson, zudem landet die Redaktion immer wieder virale Hits, die auch ausserhalb der Deutschweiz funktionieren. Das ist natürlich kein Zufall, sondern harte Arbeit, gestützt auf die konsequente Analyse der Daten.
Mit diesen Learnings ist Watson bestens für die Expansion gerüstet. An einer Tagung in Wien hat der Gründer und Chefredaktor Hansi Voigt kürzlich erzählt, dass Watson 2016 nach Österreich expandieren will - davor aber noch Deutschland in Angriff nehmen wird. Das ist der richtige Schritt: Bereits jetzt sind viele Artikel durchaus auch für eine deutsche und österreichische Leserschaft interessant. Selbstverständlich bedarf es auch in diesen Märkten an Investitionen, dennoch kann Watson viel leichter in die DACH-Region skalieren als andere Medienhäuser, die deutlich stärker auf lokale Inhalte setzen und die viralen Mechanismen nicht im Griff haben.
Watson hat das Potential, ein wichtiger Player im deutschsprachigen Newsportal-Markt zu werden.