Wie Startup-PR geht

Seit ich auf der Influencer-Liste von Cédric Bollag gelandet bin, sind Emails von Startups, die in meinem Blog porträtiert werden möchten, sprunghaft angestiegen. Die Startups bzw. Ihre PR-Agenturen senden mir jeweils eine Medienmitteilung über den Launch ihres neuen Produktes oder eines Erfolges, teilweise sogar fix vorformulierte Beiträge, und erwarten, dass ich die Texte eins zu eins übernehme. Als Entrepreneur und auch als Blogger weiss ich: So funktioniert das nicht. Deshalb teile ich hier meine Startup-PR-Tipps.

Startup-PR ist kein Massenversand!

Bei den meisten Anfragen, die ich erhalte, ist spätestens auf den zweiten Blick klar, dass es sich um Massenmailings handelt. Betreffzeilen wie “Neues Startup” oder “Medienmitteilung” reizen nicht besonders. Hin und wieder ist die Anrede personalisiert, in der Mail wird dann aber von “Ihrer Zeitung” gesprochen. Das macht keinen guten Eindruck und zeigt, dass sich die Absender nicht mit meinem Blog auseinandergesetzt haben.

Nimm Dir die Zeit, finde die richtigen Influencer und schreibe eine persönliche Mail (oder zumindest einen persönlichen Abschnitt). Das beweist, dass Du Dir Zeit genommen hast und den Empfänger Deiner Botschaft ernst nimmst.

Passt mein Thema zum Format des Blogs?

Ich habe hier im Blog erst einmal Startups porträtiert. Als ich im Sommer im ukrainischen Odessa die lebendige Startupszene kennenlernen durfte, habe ich beschlossen, einige der dortigen Startups vorzustellen. Ich habe das gemacht, weil mich die Szene, die Startups und die UnternehmerInnen dahinter interessiert haben.

Häufig schreiben die Verfasser, dass sie meine Artikel spannend finden und den Blog seit längerem verfolgen. Weshalb sie dann aber auf die Idee kommen, dass das fünfte Umzugsstartup aus dem deutschen Bielefeld* für meine Leser interessant sein könnte, bleibt schleierhaft.

Angeknüpft an den ersten Startup-PR-Tipp solltest Du Deine Medienmitteilung nicht einfach an alle Adressen verschicken, die Du irgendwo im Internet findest, sondern Dir die passenden Magazine und Blogs gezielt aussuchen. Frage Dich, wer die Leser sein könnten, wofür diese sich interessieren und ob Dein Startup relevant für sie ist. Die meisten Journalisten und Blogger wollen, dass ihre Artikel gelesen werden, also steigt die Chance, dass sie Dein Thema aufnehmen, wenn es thematisch passt.

Übrigens: Nur weil Du ein Startup machst, heisst das noch lange nicht, dass Startup-Medien für Dich am besten sind. Diese werden nämlich nur von anderen Entrepreneuren und Investoren gelesen (in absoluten Zahlen also von ziemlich wenigen Personen), und mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht von Deiner Zielgruppe. Die erreichst Du auf anderen Plattformen besser.

Ist meine Medienmitteilung authentisch?

Einige Themen gehe ich bekanntlich durchaus kritisch an. Wenn mich eine Medienmitteilung in wunderschöner PR-Sprache über ausserordentliche Erfolge erreicht, betrachte ich sie aus verschiedenen Perspektiven: Als Unternehmer interessiert mich, mit welcher Strategie die Erfolge erreicht wurden, welche Ziele sich das Startup gesetzt hat und was ich davon lernen (und weitergeben) kann. Als Blogger hinterfrage ich die Medienmitteilung: Sind die Erfolge wirklich so toll, wie sie dargestellt wurden? Steckt allenfalls eine Geschichte dahinter, die interessanter ist? Bietet sie Stoff für eine tiefergreifende Recherche?

Mein Tipp: Selbstverständlich darfst und sollst Du auf die Erfolge Deines Startups hinweisen. Vermeide aber zu viele Superlative. Das zeugt eher von einer schlechten PR-Agentur als tatsächlichen Erfolgen - kurz vor dem Untergang der Sowjetunion haben deren Zeitungen schliesslich auch die fantastischsten Erfolgsgeschichten vermeldet…

Baue eine Beziehung auf

Viele Journalisten wollen genauer wissen, über wen sie einen Artikel schreiben. Gerade Startups wollen sie über einen längeren Zeitraum kennen, um eine interessante Geschichte schreiben zu können. Häufig geht es auch darum, heisse Luft von Substanz zu unterscheiden. Journis werden häufig von PR-Agenturen eingelullt (das ist deren Job), deshalb wollen sie hinter die Fassade blicken. Es ist also wichtig, dass Du eine persönliche Beziehung zum Journalisten oder Blogger aufbaust: Halte ihn auf dem Laufenden und informiere ihn hin und wieder über den aktuellen Status des Startups, vor allem dann, wenn er Interesse gezeigt hat oder gar bereits einmal über Dich berichtet hat. Wenn Du Dich mit dem Journalisten oder Blogger gut verstehst, kannst Du unter Umständen auch Informationen off the record weitergeben - also Hintergrundinformationen, die relevant sind, aber nicht publiziert werden dürfen.

Sei höflich

Ich versuche, meine Emails so schnell wie möglich zu beantworten. Durch Zeitverschiebung oder andere Prioritäten geht mir aber hin und wieder eine durch die Lappen, insbesondere, wenn es sich um Massenemails handelt (dann fühle ich mich auch nicht verpflichtet zu reagieren). Nach einigen Tagen nachzufassen ist okay, aber halte Dich doch bitte an die Netiquette. Es ist mit Sicherheit kontraproduktiv, wenn Du in einer pampigen Mail darauf beharrst, dass ein Journalist über Dich schreiben soll.

Eigentlich müsste das ja selbstverständlich sein, es ist aber überraschend, wie häufig Hinweise oder Nachfragen unfreundlich verfasst werden… es ist bestimmt nicht Absicht, wenn ein Journalist oder Blogger noch nicht auf Deine gut formulierte Nachricht geantwortet hat.

Kontaktiere mich!

Wenn Du glaubst, dass Deine Story für mich oder meinen Blog interessant sein könnte (und Du nicht gerade ein Bielefelder Zügelunternehmen bist), darfst Du mich sehr gerne kontaktieren! Ich freue mich immer über neue Bekannftschaften aus der Startupszene, und vielleicht können wir gemeinsam einen Post schreiben.

Hast Du andere Erfahrungen gemacht oder möchtest sonst etwas loswerden? Gerne unten im Kommentarbereich oder bei Facebook und Twitter.

*Erfundenes Beispiel.