WordPress: Das perfekte Tool für MVPs
01.02.2017
Jeder Entrepreneur sollte gemäss Lean Startup-Theorie so schnell wie möglich die erfolgskritischen Annahmen überprüfen - zuerst qualitativ mit Interviews, danach quantitativ mit einem Minimum Viable Product (MVP). Wichtig ist, dass nicht zu viel Zeit mit der Programmierung des MVPs verloren geht, sondern dass erste Markttests so bald als möglich durchgeführt werden können - ist das Ziel doch, früh herauszufinden, ob das Geschäftsmodell grundsätzlich funktioniert. Erfahrenere Entwickler greifen dann zu einem Framework, das viele Default-Strukturen bereits vorgibt und so schnelleren Fortschtitt ermöglicht.
Wer nicht programmieren kann, hat nun ein Problem: Soll er versuchen, die Entwicklung des MVPs outzusourcen? Ich persönlich halte es für wichtig, dass die Gründer das MVP kontrollieren und selbständig anpassen können, auch um Fehler zu verbessern oder kurzfristige Anpassungen umzusetzen, ohne auf externe Hilfe angewiesen zu sein.
MVP mit WordPress
Für mich ist das CMS-System WordPress ein ideales Framework für MVPs, mit dem ich bereits verschiedene Geschäftsmodelle ausprobiert habe. WordPress ist in erster Linie als eine auf PHP basierende Open Source-Blogsoftware bekannt, wurde in den letzten Jahren aber immer mehr zu einem weitverbreiteten, vielsprachigen Content Management System mit vielen Funktionen ausgebaut.

Die Installation von WordPress ist sehr einfach: Die meisten Hoster bieten eine vorgefertigte Installationsroutine an, alternativ kann WordPress auch heruntergeladen und selber auf einem Webserver installiert werden. Für unsere Zwecke ist ein Hosting auf WordPress.com, der kommerziellen Plattform des WordPress-Herausgebers Automattic, nicht geeignet, da dort keine eigenen Themes und Plugins installiert werden können.
Nach der Installation sieht WordPress erstmal nicht besonders beeindruckend aus: Lediglich grundlegende Einstellungen können im Backend vorgenommen werden, und auch das Frontend sieht mit dem Standardtheme (derzeit Twenty Seventeen) eher bescheiden aus.
Themes: Vorgefertigte Designs mit Zusatzfunktionen
Aus diesem Grund kann das Design mit unzähligen Themes verändert werden. Direkt im Backend kann aus vielen kostenlosen Open Source-Themes ausgewählt werden, die nach der Installation mit eigenen Farbschemen, Schriften etc. individualisiert werden können. Mit einem diesen kostenlosen Themes sieht die eigene WordPress-Seite gleich viel besser aus.
Das Problem dabei: Viele dieser kostenlosen Designs bringen nicht alle nötigen Funktionen mit. Viele Firmen haben sich deshalb darauf spezialisiert, Themes für alle möglichen Bedürfnisse zu entwickeln. Diese können auf einem Theme-Marktplatz für einige Dollar erworben werden; ich schaue mich jeweils auf Themeforest um. Egal, ob man eine Dating-Website, einen Shop, eine Skischule oder einen Marktplatz eröffnen möchte: Mit grosser Wahrscheinlichkeit lässt sich ein vorgefertigtes Design finden, das anschliessend angepasst werden kann.
Theoretisch können diese pfannenfertigen Designs bereits verwendet und mit den eigenen Inhalten abgefüllt werden, ich empfehle allerdings, den Look and Feel in den Designeinstellungen zu verändern - schliesslich soll die Website nicht gleich aussehen wie dutzende andere.
Nachrüsten mit Plugins
Häufig decken aber auch eingekaufte Themes noch nicht alle notwendigen Funktionen ab. Für die allermeisten Anforderungen hat aber schon irgendjemand eine Lösung gefunden und stellt diese als Plugin der Community zur Verfügung. Die Open Source-Plugins können einfach via Backend installiert werden. Manchmal sind in der kostenlosen Version nicht alle Funktionen freigeschaltet, diese können aber meist für eine Handvoll Dollar erworben werden.
Standardmässig installiere ich auf all meinen WordPress-Seiten folgende Plugins:
Yoast SEO: Fügt viele Einstellungsmöglichkeiten für suchmaschinenfreundlichere Texte und Seiten hinzu
Google Analytics by MonsterInsights: Fügt den Google Analytics-Code ein, damit der Erfolg des MVPs getrackt werden kann
Contact Form 7: Simple Kontaktformulare, die für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt werden können
Advanced Custom Fields: Zusätzliche (Meta-)Felder hinzufügen, die mit simplen PHP-Kenntnissen wieder abgerufen werden könnnen
Loco Translate: Da nicht alle Plugins und Themes in alle Sprachen übersetzt wurden, können mit diesem Plugin fehlende Strings selber übersetzt werden
Was tun, wenn ich nicht alle Funktionen finde?
Hin und wieder kommt es vor, dass nicht für alle Anforderungen ein Theme oder ein Plugin gefunden wird. Ich versuche dann jeweils einen Workaround zu finden: Kann ich irgendein vorhandenes Plugin für meine Zwecke anders einsetzen oder mit einigen Zeilen Code anpassen? Häufig hilft auch eine simple Google-Suche: Da WordPress enorm verbreitet ist, lassen sich viele Tutorials und Tipps finden.
Falls Google nicht weiterhilft, kann immer noch ein externer Entwickler engagiert werden. Auf Outsourcing-Plattformen wie Upwork können problemlos WordPress-Developer gefunden werden. Wichtig ist allerdings, dass diese für Änderungen ein Child-Theme anlegen, da sämtliche Änderungen sonst beim nächsten Update verloren gehen. Einige günstige Entwickler vergessen das hin und wieder, deshalb sollte unbedingt im Backend unter "Deisgn → Themes" überprüft werden, ob ein Child-Theme vorhanden ist.
Welche Nachteile gibt es?
Selbstverständlich gibt es auch bei WordPress einige Nachteile. Der gewichtigste Nachteil ist sicher die Performance: Aufgrund der vielen Funktionen von Themes und Plugins kann das System sehr langsam werden. Abhilfe kann ein Caching-Plugin schaffen, deren richtige Konfiguration allerdings einem erfahrenen Anwender überlassen werden sollte.
WordPress eignet sich sehr gut, um schnell ein MVP zu bauen: Die grundlegenden Funktionen können innert weniger Tage zusammengeklickt werden. Sobald es allerdings darum geht, komplexe individuelle Funktionen abzudecken, sollte sorgfältig evaluiert werden, ob WordPress immer noch das richtige Framework ist. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, fürr die Skalierung auf eine andere Plattform zu wechseln.