Die Qual der Wahl: Der ideale Startup-Name

Jedes Startup braucht einen Namen, wenn man beginnt, mit anderen Leuten darüber zu sprechen - spätestens jedoch, wenn der Launch naht. Anders als bei einem Baby muss der Name des Startup-Babys aufgrund Verwechslungsgefahr und Markenrechten zwingend individuell sein.

Startups haben selten Geld, um eine kreative Werbeagentur mit der Suche nach dem optimalen Brand zu beauftragen. Wie sollte man vorgehen, um den passenden Startup-Namen ohne professionelle Unterstützung zu finden? Ich probiere jeweils verschieden Strategien aus, die ich in diesem Beitrag kurz beleuchte.

Startup-Name von einem bestehenden Begriff abgeleitet

Viele Startups wählen einen Brand, der sich stark an einen bestehenden Begriff anlehnt oder einen existierenden Begriff gleich übernimmt: "Flickr" an "flicker", "WhatsApp" an "What's up?", oder "Google" an "Googol".

Diese Strategie kann erfolgsversprechend sein:

Der Begriff ist bereits bekannt und ist dadurch gut merkbar

Der Begriff beschreibt das Geschäftsmodell des Startups in einem Wort und ist gleichzeitig ein Mini-Pitch

Die leicht abgewandelte Schreibweise erregt Aufmerksamkeit

Die Domain und die Marke ist vermutlich noch nicht geschützt

Die Nachteile liegen aber auch auf der Hand:

Die leichte Anpassung der Schreibweise kann auch verwirren: Viele Erstnutzer könnten den Namen falsch eingeben und dadurch bei einem anderen Angebot landen

Nach einer Veränderung des Geschäftsmodells könnte der Name nicht mehr passen, wenn er das Business Model zu stark einschränkt

Unter Umständen gibt es bereits ein grosses Suchaufkommen nach dem Begriff, was SEO schwieriger macht

Wortkombination als Startup-Name

"duolingo", "SoundCloud" oder auch "LendingClub" sind Beispiele für Brands aus Wortkombinationen.

Das Business Model kann mit zwei bis drei Wörtern beschrieben werden

Die Wortkombination macht es einfacher, an einen unverbrauchten Firmennamen zu kommen

Eine Wortkombination lässt sich gut merken

Es besteht allerdings die Gefahr, dass der Name zu lang wird. Das gilt es zu vermeiden!

Fantasiename

Mein letztes Startup Rayneerhabe ich nach meinem guten Bekannten Ray benannt, als Entschädigung für den weniger schmeichelhaften Spitznamen Rainer. Investoren und auch User haben uns regelmässig gefragt, was denn der Name bedeute - und die Story dahinter hat jedemal für Lacher gesorgt.

Was für einen Fanasienamen spricht:

Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist der Name noch nicht verbraucht

Der Brand kann nach Belieben mit Werten "gefüllt" werden und steht fortan bei den Usern ohne Verwässerung genau für die Value Proposition, die man transportieren möchte

Idealerweise gibt es eine Story dahinter, die in Pitches, den Medien (Journalisten lieben Storys!) und auf der "About us"-Seite genutzt werden kann

Natürlich gibt es auch Nachteile:

Es besteht die Gefahr, dass sich die Zielgruppe den Namen nicht merken kann, weil er zu kompliziert, unaussprechbar oder schwierig zu schreiben ist

Es gelingt nicht, den Brand mit der Value Proposition zu verknüpfen

Der Name kann schnell lächerlich klingen

Einen bestehenden Begriff verwenden und ein "e" oder "i" davor setzen

"eBay" oder das "iPhone" haben es vorgemacht: Man kann natürlich vor einen bestehenden Begriff auch einfach ein "i" oder "e" setzen, und schon ist der perfekte Startup-Name gefunden. Das kann natürlich funktionieren, aber nur noch im Jahr 1994. Hände weg!

Nach welchen Kriterien benenne ich mein Startup?

Wahrscheinlich werde ich mein nächstes Startup nach einem Fantasiewort benennen. Rocket Internet scheint mit der Kombination von drei Silben ziemlich erfolgreich zu sein ("Zalando", "Lazada", "Zalora"). Auf den ersten Blick sind diese Namen etwas gewöhnungsbedürftig, aber komplett unverbraucht und nach Marketinganstrengungen bei der Brandeinführung durchaus merk- und schreibbar.

Meine persönlichen Kriterien sind:

Der Startup-Name muss kurz und eingängig sein

Es muss sofort klar sein, wie der Name ausgesprochen wird

Er darf noch nicht verbraucht sein

Der Brand muss mit den Werten des Startups "bepackt" werden können

Die Kompatibilität mit anderen Sprachräumen ist essentiell - bereits bei der Namenswahl sollte die Skalierung im Hinterkopf behalten werden!

Ich führe eine Liste mit etwa 50 Namensideen, die ich sofort ergänze, wenn mir eine Kombination aus Worten oder Silben einfällt.

Nach welchen Kriterien benennt Ihr Eure Startups? Wie kurbelt Ihr den Kreativprozess an? Nutzt Ihr einen Slogan, oder verzichtet Ihr darauf? Ich freue mich auf eine spannende Diskussion und Shares auf Facebook, Twitter oder hier im Blog.