Die Qual der Wahl: Der ideale Startup-Name
24.08.2015
Jedes Startup braucht einen Namen, wenn man beginnt, mit anderen Leuten darüber zu sprechen - spätestens jedoch, wenn der Launch naht. Anders als bei einem Baby muss der Name des Startup-Babys aufgrund Verwechslungsgefahr und Markenrechten zwingend individuell sein.
Startups haben selten Geld, um eine kreative Werbeagentur mit der Suche nach dem optimalen Brand zu beauftragen. Wie sollte man vorgehen, um den passenden Startup-Namen ohne professionelle Unterstützung zu finden? Ich probiere jeweils verschieden Strategien aus, die ich in diesem Beitrag kurz beleuchte.
Startup-Name von einem bestehenden Begriff abgeleitet
Viele Startups wählen einen Brand, der sich stark an einen bestehenden Begriff anlehnt oder einen existierenden Begriff gleich übernimmt: "Flickr" an "flicker", "WhatsApp" an "What's up?", oder "Google" an "Googol".
Diese Strategie kann erfolgsversprechend sein:
Der Begriff ist bereits bekannt und ist dadurch gut merkbar
Der Begriff beschreibt das Geschäftsmodell des Startups in einem Wort und ist gleichzeitig ein Mini-Pitch
Die leicht abgewandelte Schreibweise erregt Aufmerksamkeit
Die Domain und die Marke ist vermutlich noch nicht geschützt
Die Nachteile liegen aber auch auf der Hand:
Die leichte Anpassung der Schreibweise kann auch verwirren: Viele Erstnutzer könnten den Namen falsch eingeben und dadurch bei einem anderen Angebot landen
Nach einer Veränderung des Geschäftsmodells könnte der Name nicht mehr passen, wenn er das Business Model zu stark einschränkt
Unter Umständen gibt es bereits ein grosses Suchaufkommen nach dem Begriff, was SEO schwieriger macht
Wortkombination als Startup-Name
"duolingo", "SoundCloud" oder auch "LendingClub" sind Beispiele für Brands aus Wortkombinationen.
Das Business Model kann mit zwei bis drei Wörtern beschrieben werden
Die Wortkombination macht es einfacher, an einen unverbrauchten Firmennamen zu kommen
Eine Wortkombination lässt sich gut merken
Es besteht allerdings die Gefahr, dass der Name zu lang wird. Das gilt es zu vermeiden!
Fantasiename
Mein letztes Startup Rayneerhabe ich nach meinem guten Bekannten Ray benannt, als Entschädigung für den weniger schmeichelhaften Spitznamen Rainer. Investoren und auch User haben uns regelmässig gefragt, was denn der Name bedeute - und die Story dahinter hat jedemal für Lacher gesorgt.
Was für einen Fanasienamen spricht:
Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist der Name noch nicht verbraucht
Der Brand kann nach Belieben mit Werten "gefüllt" werden und steht fortan bei den Usern ohne Verwässerung genau für die Value Proposition, die man transportieren möchte
Idealerweise gibt es eine Story dahinter, die in Pitches, den Medien (Journalisten lieben Storys!) und auf der "About us"-Seite genutzt werden kann
Natürlich gibt es auch Nachteile:
Es besteht die Gefahr, dass sich die Zielgruppe den Namen nicht merken kann, weil er zu kompliziert, unaussprechbar oder schwierig zu schreiben ist
Es gelingt nicht, den Brand mit der Value Proposition zu verknüpfen
Der Name kann schnell lächerlich klingen
Einen bestehenden Begriff verwenden und ein "e" oder "i" davor setzen
"eBay" oder das "iPhone" haben es vorgemacht: Man kann natürlich vor einen bestehenden Begriff auch einfach ein "i" oder "e" setzen, und schon ist der perfekte Startup-Name gefunden. Das kann natürlich funktionieren, aber nur noch im Jahr 1994. Hände weg!
Nach welchen Kriterien benenne ich mein Startup?
Wahrscheinlich werde ich mein nächstes Startup nach einem Fantasiewort benennen. Rocket Internet scheint mit der Kombination von drei Silben ziemlich erfolgreich zu sein ("Zalando", "Lazada", "Zalora"). Auf den ersten Blick sind diese Namen etwas gewöhnungsbedürftig, aber komplett unverbraucht und nach Marketinganstrengungen bei der Brandeinführung durchaus merk- und schreibbar.
Meine persönlichen Kriterien sind:
Der Startup-Name muss kurz und eingängig sein
Es muss sofort klar sein, wie der Name ausgesprochen wird
Er darf noch nicht verbraucht sein
Der Brand muss mit den Werten des Startups "bepackt" werden können
Die Kompatibilität mit anderen Sprachräumen ist essentiell - bereits bei der Namenswahl sollte die Skalierung im Hinterkopf behalten werden!
Ich führe eine Liste mit etwa 50 Namensideen, die ich sofort ergänze, wenn mir eine Kombination aus Worten oder Silben einfällt.
Nach welchen Kriterien benennt Ihr Eure Startups? Wie kurbelt Ihr den Kreativprozess an? Nutzt Ihr einen Slogan, oder verzichtet Ihr darauf? Ich freue mich auf eine spannende Diskussion und Shares auf Facebook, Twitter oder hier im Blog.