Eindrücke aus der Bay Area und dem Silicon Valley
04.05.2016
In den letzten Tagen war ich in der Bay Area, die San Francisco und das Silicon Valley umfasst, unterwegs. Noch nie hat mich eine Reise derart inspiriert und so deutlich vor Augen geführt, wie kleingeistig wir Schweizer doch sind.
Innovation an allen Ecken und Enden
In Europa machen wir uns häufig darüber lustig, dass sich in der Bay Area jeder Entrepreneur schimpft und sich als Startup im Stealth Mode ausgibt, auch wenn er eigentlich gar nichts tut. Meiner Meinung nach ist das eine komplette Fehleinschätzung. Unter anderem durch die Nähe zur Stanford University oder zu Berkeley sind nirgendwo sonst so viele so smarte Menschen auf so engem Raum beisammen. Die vielen hier ansässigen Tech-Unternehmen haben bewiesen, dass aus Forschungsprojekten oder Business-Ideen innert kürzester Zeit Großunternehmen mit Milliardenbewertungen entstehen können. Diese einmalige Mischung aus Lehre und Success Stories schafft ein extrem innovatives Klima und zieht weitere Entrepreneure an.
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Geht man hier in San Francisco aus, kommt man problemlos mit neuen Leuten ins Gespräch. Weil jeder in der Tech Industry ist, wird sofort gepitched, Business Models gechallenged und Intros zu passenden Personen gemacht. Was für ein Gegensatz zu Zürich, wo man regelmässig erklären muss, was ein Startup ist!
Vom Silicon Valley zur Bay Area
Noch vor wenigen Jahren haben sich sämtliche Startups im Silicon Valley zwischen San Jose im Süden und San Francisco im Norden angesiedelt. Noch immer sind in Palo Alto an der Sand Hill Road alle namhaften VCs zu finden; in Häusern, die uns eher wie Ferienwohnungen auf dem Land erscheinen.
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Seit etwa fünf Jahren ziehen immer mehr Startups nach San Francisco, da die meisten Mitarbeiter in der City wohnen und dadurch den Arbeitsweg verkürzen können. Twitter hat als eines der ersten grossen Unternehmen vorgelegt.
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Dadurch steigen nun aber auch die Preise in San Francisco; mit einem durchschnittlichen Lehrersalär beispielsweise kann man sich keine zentrale Wohnung mehr leisten. Das merkt man der Stadt an: bis vor kurzem war der Soma-District verrufen, seit Twitter da ist, erlebt er eine rasante Aufwertung und die Armen werden weiter an die Peripherie weggedrängt. Ganz junge Startups gründen neuerdings sogar in Oakland auf der anderen Seite der Bay, von Downtown San Francisco per Metro in ca. 20 Minuten erreichbar.
Spürbare Abkühlung seit Anfangs Jahr
In Zeiten der New Economy um das Jahr 2000 waren VCs rund USD 100 Mio schwer, heute raisen sie häufig > USD 1 Mia, z.B. von Pensionskassen. Da VCs auch beschränkte Kapazitäten haben, können sie nur in eine begrenzte Anzahl Startups investieren. Logische Konsequenz: Die Finanzierungsrunden werden grösser.
Das hat in den letzten Jahren zu fantastischen Bewertungen über USD 1 Mia geführt, der Kreis der Unicorns wurde immer wie grösser. Übereinstimmend haben mir Entrepreneure und ein Startup-Anwalt erzählt, dass seit Anfangs Jahr eine deutliche Abkühlung eingetreten ist. Es werden weniger Runden durchgeführt, die Investments sind kleiner und die Bewertungen weniger hoch.
Hier wird das allerdings nicht als das Platzen einer Blase interpretiert, sondern als notwendige Marktkorrektur, durch die die Business Models wieder nachhaltiger und alle etwas bodenständiger werden. Eine vernünftige Einschätzung, wie mir scheint. Startups wollen gar keine Unicorns mehr sein, sondern streben von sich aus eine tiefere Bewertung an, um nicht abgewertet zu werden, so wie bei einigen letztjährigen Unicorns geschehen.
Auch Europa hat seine Vorteile
Selbstverständlich sind hier in der Bay Area die Finanzierungsrunden noch immer viel höher und häufiger als in Europa. Ein deutscher Unternehmer hat mir in San Francisco gesagt, dass man mit USD 5 Mio in Berlin wahrscheinlich weiter kommt als mit USD 10 Mio im Valley - so stark sind die Kosten für Mitarbeiter, Büros etc. gestiegen.
Neben den vielen Vorteilen fallen in der Bay Area aber auch andere Nachteile auf. Einer ist die Infrastruktur: Obwohl der öffentliche Verkehrt relativ gut ausgebaut ist, sind Züge und Busse in Mitteleuropa ungleich zuverlässiger. Aufgrund der grossen Distanzen kommt man ausserhalb San Franciscos ohne Auto nur schwer zurecht. Was mich am meisten überrascht hat: Selbst im Coupa Cafe, dem "Herz" des Silicon Valleys in Palo Alto, in dem gemäss Legende viele Finanzierungsrunden geclosed wurden, gibt es zwar Wifi, gemäss Google Reviews funktioniert es aber nur sehr unzuverlässig. Das ist mir auch an anderen Locations aufgefallen: Man befindet sich mitten zwischen all den Internetfirmen, aber man fliegt dauernd aus dem eh schon langsamen Internet.
Mit der Swisscom Startup Challenge ins Valley
Rückblickend habe ich mit meiner Reise in die Bay Area viel zu lange gewartet, denn hier ist der absolute Place to Be für jeden Entrepreneur. Ich kann deshalb allen nur raten, so schnell wie möglich herzukommen und so viel Entrepreneurial Spirit wie nur möglich aufzusaugen.
Eine Chance hierzu könnte die Startup Challenge der Swisscom sein: Wie bereits in den letzten Jahren veranstaltet der Telco auch dieses Jahr einen Wettbewerb, den er gemeinsam mit dem IFJ durchführt. Dabei werden ausgewählte, vielversprechende Startups für eine Woche in die Bay Area eingeladen. Der Swisscom-Outpost in Palo Alto bereitet für die Gewinner Meetings vor, sodass diese vom Netzwerk profitieren können.
Ich war noch nie bei einer Startup Challenge dabei, kann mir aber gut vorstellen, dass sie für ein Schweizer Startup sehr nützlich sein könnte, um einmal in die ganz eigene Welt der Bay Area einzutauchen.